Wasser und Wein Samstag, 11. April 2009

Mit der Novellierung der weinrechtlichen Vorschriften im deutschen Weinbau 2002 und dem darauf folgenden Trockensommer 2003 erlebte das Thema der Bewässerung im Weinbau eine breite Beachtung. Trotz vieler guter Erfahrungen mit dem Einsatz von druckkompensierten Tropfersystemen bleiben aber weiter viele Fragen offen. Die zunächste unterstellte reibungslose Übernahme der Bewässerung aus dem Mittelmeerraum hat sich eher als problematisch erwiesen, zumal die erheblichen Anschaffungs- und Anpassungskosten der Bewässerungsanlagen kaum von einer Ertragssteigerung begleitet oder gar ausgeglichen werden konnte. Auch gelingt es den Systemen nicht auf die beachtlichen Wuchs- und Bodenunterschiede auch schon in überschaubaren Anlagen adäquat zu beachten.  Die gängigen Bewässerungssysteme erlauben momentan noch keine wuchsabhängige Bewässerung. Die Mancherorts eingeführte Kombination von Bewässerung und Nährstoffabgabe, die sogenannte düngende Bewässerung, konnte nach Dr. Dietmar Rupp, Staatlicher Lehr- und Versuchsanstalt für Wein- und Obstbau (Weinsberg), noch nicht umfangreich nachgewiesen werden.
Das individuelle Gespühr und die Sachkunde des Weinbauers bilden auch in Ermangelung einer sinnvollen technischen Lösung das entscheidende Kriterium für eine ertragsorientierte und nachhaltige Bewässerung. Gerade die wuchs- und entwicklungsabhängige Wassergabe kann gegenwärtig kein System leisten, so ist gerade vor einer starken Bewässerung direkt nach der Blüte und bei fortschrittener Reife abzuraten. In unseren Breiten, dem Mitteleuropäischen Klima, ist auch in Hinsicht der Weinqualität eine zusätzliche Wassergabe erfoderlich, wenn wichtige Prozesse der Inhaltsstoffbildung in den Beeren gefährdet sind. Oder wie im Trockensommer 2003 augenscheinlich Schäden am Rebenwuchs feststellbar sind/drohen. Demgegenüber stehen natürlich besondere Lagen wie Terrassenanlagen und Anbaugebiete im Regenschatten, wo in jeder Saision die Bewässerung über den Erfolg entscheidet, dort kann ein System sicher bei der Ertragssicherung eingesetzt werden.