Botrytis-Grauschimmel

Botrytis (Botrytis cinerea) auch bekannt als Grauschimmel oder Graufäule ist ein Schimmelpilz der im Weinbau in verschiedenen Formen auftreten kann, welche teilweise gewünscht, toleriert oder unerwünscht sind.

Herkunft:
Der Pilz war schon immer in Europa beheimatet und ist weder wirtsspezifisch noch stadienspezifisch, was bedeutet das er fast alle Organe von fast allen Pflanzen befallen kann.

Schadbild:
Da der Pilz sowohl parasitisch (ernährt sich von lebendem Material) als auch saprophytisch (ernährt sich von abgestorbenem Material) alle Teile der Rebe befallen kann,entstehen sehr unterschiedliche Schadbilder („Krankheiten“).

Augenausfall: Der Pilz wächst in der Rinde des einjährigen Holzes und befällt von da aus die Winterknospen die zerstört werden und dadurch im Frühjahr nicht mehr austreiben.

Absterben junger Triebe: Bei extremer Feuchtigkeit befällt der Pilz die jungen Triebe, von der Rinde aus und überzieht sie mit einem Pilzrasen. Die Folge ist das die Triebe faulen, welken und eintrocknen.

Blattbefall: Auf den Blättern entstehen ausgehend von den Blattadern mehr oder weniger große, braune Flecken die bei feuchter Witterung in der gesamten Vegetationsperiode auftreten können, aber meist keinen wirtschaftlichen Schaden verursachen.

Gescheinsbefall: Anfangs werden einzelne Gescheinsäste mit einem Pilzrasen überzogen. Das kann sich aber auch schnell über das ganze Geschein ausbreiten was zum absterben der Gescheine führt und hohe Ertragsverluste zur Folge haben kann.

Befall des Holzes: Über am Holz verbliebene Pflanzenteile wie Traubenstümpfe, Blattstiele oder Rappen kann der Pilz im Herbst und während milder Winter in das einjährige Holz einwachsen. Dies kann zu gelblichen Aufhellungen und mitunter zu schwarzen, warzenartigen und unterschiedlich großen Gebilden (Skerotien) führen. Diese Skerotien sind Mycelzusammenballungen die der Pilz zur Überwinterung nutzen kann aber nicht muss. Der Befall der Trauben wird je nach Art und Zeitraum unterschiedlich bezeichnet.

Sauerfäule: Man spricht von Sauerfäule wenn grüne Beeren noch unter 60°Oe befallen werden. Der Pilz kann die Beeren allerdings nur über totes Gewebe besiedeln das heißt er nutzt alte Blütenteile die nicht ganz abgefallen sind, eventuell vorhandene Heuwurmgespinste oder dringt über Verletzungen (z.b. Hagel oder Sauerwurmfrass) in die Beere ein. Die befallenen Beeren faulen, was auch sehr schnell auf andere Beeren überspringt.

Stielfäule: Der Pilz befällt das Stielgerüst der zum Teil schon reifen Trauben zersetzt es und macht es brüchig. Durch das Gewicht der Trauben kann der Stiel brechen und die Trauben fallen zu Boden (Bodentrauben).

Edelfäule: In diesem Fall befällt der Pilz direkt die lesereifen Trauben und beschädigt die Beerenhaut. Das führt dazu das in den Beeren enthaltenes Wasser stärker Verdunstet und die Inhaltstoffe wie Zucker, und Säure konzentriert werden. Edelfaule Trauben sind teilweise erwünscht da aus ihnen hochwertige Weine (Auslesen, Beerenauslesen) erzeugt werden können.

Biologie:
Der Pilz überwintert als Mycel in oder als Sklerotien auf der Rinde des einjährigen Holzes. Da er aber nicht wirtsspeziefisch ist findet man ihn auch auf abgestorbenen Pflanzenresten auf dem Boden. Da der erste Befall (Augenausfall, oder befallene junge Triebe) unter der Rinde entsteht, besteht keine Möglichkeit ihn zu bekämpfen. Im laufe des Jahres verbreitet sich der Pilz durch Sporenflug. Die Sporen landen auf der Pflanzenoberfläche und benötigen mindestens 2 Stunden tropfbares Wasser damit sie anfangen zu keimen. Dabei bildet sich ein Keimschlauch der in das Gewebe der Pflanze eindringt. Daraus bildet sich ein neues Mycel das sich im Gewebe ausbreitet. Bei entsprechend feuchter Witterung bilden sich an den Befallsstellen eine riesige Anzahl neuer Sporenträger mit Sporen.

Bekämpfung:
Da der Pilz zur Ausbreitung Feuchtigkeit benötigt ist eine luftige Lauberziehung die wichtigste vorbeugende Maßnahme. Zudem sollte man Verletzungen an Beeren und Traubenteilen vermeiden da der Pilz darüber sehr leicht ins Gewebe eindringen kann. Der erste Befall (Augenausfall, oder befallene junge Triebe) lässt sich nicht durch eine direkte Pflanzenschutzmaßnahme verhindern. In gefährdeten Lagen oder bei anfälligen Sorten kann man gegen den Gescheinsbefall in der letzten Vorblütespritzung eine spezielle Behandlung gegen Botrytis durchführen.

Gegen die Stiel- und die Sauerfäule gibt es 3 wichtige Behandlungstermine bei denen unbedingt eine vorbeugende Behandlung gegen Botrytis erfolgen sollte.

  • Spritzung in die abgehende Blüte – da häufig Blütenrückstände in der Traube zurück bleiben die der Pilz schnell besiedeln kann
  • Spritzung kurz vor Traubenschluss – letzte Möglichkeit das Stielgerüst mit einem Fungizidbelag zu versehen
  • Abschlussspritzung – um zu verhindern das die reifenden Beeren zu früh von Botrytis befallen werden (Edelfäule ist in diesem frühen Stadium noch nicht erwünscht)

Zur Bekämpfung gegen Botrytis stehen Mischpräparate, Spezialbotrytizide und Peronosporafungizide mit Zusatzwirkung gegen Botrytis zur Verfügung.