Müller-Thurgau

 

Lange Zeit nahm man an, dass diese Rebsorte eine Kreuzung aus dem Riesling und dem Silvaner sei, daher ist er auch als „Rivaner“ bekannt. Dr. H. M. Eichelsbacher hat nach genauen Untersuchungen auf das Erbgut des Müller-Thurgaus allerdings keine Verwandschaft zu dem Silvaner nachweisen können. Neue Erkenntnisse lassen auf eine Kreuzung von Riesling x Madeleine Royale schließen.

Herkunft:

Die Müller-Thurgau-Rebe wurde 1882 von Prof. Dr. Müller, einem Schweizer aus dem Thurgau, neben vielen anderen Kreuzungen an der königlichen Lehranstalt für Obst-, Wein und Gartenbau gezüchtet. 9 Jahre später zog Müller in die Nähe von Zürich und nahm 150 Kreuzungen als Stecklinge mit sich. Diese Neuzüchtungen betreute ein gewisser Weinbautechniker namens H. Schellenberg. Dieser fand heraus, dass die Rebe mit der Nummer 58 besonders wertvoll war. So führte eins zum anderen, und der „Müller-Thurgau“ breitete sich langsam aber sicher  aus.

Wichtige Anbaugebiete:
Rheinhessen, Baden, Pfalz, Mosel-Saar-Ruwer, Franken, Nahe, Saale-Unstrut, Sachsen, Hessische Bergstraße

Sortenmerkmale:
Blatt:   mittelgroß, fünflappig, tief gebuchtet, Stielbucht überlappend, Rand gesägt

Holz:   hellbraun, dunkelbraun gestreift

Traube:  mittel bis groß, locker bis dichtbeerig

Beere:  mittelgroß, oval, gelblich grün

Reife:  früh bis mittelfrüh

Ertrag:  hoch bis sehr hoch

Eigenschaften der Sorte

Ansprüche an die Lage:

Der Rivaner hat nur geringe Ansprüche an die Lage. Schon in einer mittleren Lage bringt er fast in jedem Jahr einen Kabinett und in guten Jahren mit Sicherheit eine gute Spätlese. Die Anspruchslosigkeit der Sorte ist mit ein Grund für ihre große Verbreitung.

Ansprüche an den Boden:

Die Rebsorte liebt vor allen tiefgründige, frische, nicht zu trockene Böden. Auch mit tonigen und kalkhaltigen Böden kommt er klar.
Ausgesprochen schwere oder sehr  trockene Böden sind jedoch eher ungeeignet. Durch eine passende Unterlagenwahl kann der Müller-Thurgau allerdings auch auf weniger fruchtbaren Böden wachsen.

Holzreife:

Die Holzreife der Sorte ist nicht besonders gut. Schon ein paar Wintertage mit Temperaturen ab 15 Grad unter Null genügen, um Augenerfrierungen auszulösen. Auch feuchte Herbste vermindern die Holzreife. Wichtig ist eine gute Versorgung mit Kali und Magnesium, da der Müller-Thurgau für beide Nährstoffe einen höheren Bedarf hat.
Die Stockabstände  sind so zu wählen, dass zwischen den Bogreben noch ein kleiner Zwischenraum bleibt, um Dichtlaubigkeit vorzubeugen.

Krankheitsanfälligkeit:

Der Müller-Thurgau gehört zu den anfälligsten Sorten. Besonders betroffen ist er zumeist von Peronospora, Schwarzfleckenkrankheit, Botrytis und dem Roten Brenner.

Erziehung:

Der Rivaner hat einen kräftigen Wuchs, der allerdings etwas ungleichmäßig ist. Die Erziehung muss deswegen nicht nur auf die Wuchskraft, sondern auch auf die hohe Anfälligkeit gegen Peronospora und Botrytis abgestimmt werden. Eine weiträumige Erziehung sagt ihm deswegen am besten zu.

Reife:

Unter den Hauptrebsorten Deutschlands (Riesling, Silvaner, Müller-Thurgau) reift der Müller-Thurgau an frühesten. Die Vollreife ist meist schon Mitte September erreicht, in schlechteren Jahre Ende September/Anfang Oktober.

Vorteile der Sorte:

frühe Reife, geringe Lageansprüche, gute Erträge, harmonische Säure

Nachteile der Sorte:

hohe Krankheitsanfälligkeit, schlechte Holzreife, schwache Frostfestigkeit