Spinnmilben (Obstbaum -und Bohnenspinnmilbe)

Da ein starker Befall durch Spinnmilben zum absterben der Blätter und damit zu Qualitätseinbußen führen kann, sind Spinnmilben durchaus eine Bedrohung für den Weinbau.

Herkunft:

Spinnmilben sind schon immer im europäischen Weinbau anzutreffen. Ein verstärktes Auftreten ist allerdings erst ab 1950 zu verzeichnen. Der Grund dafür ist der Einsatz von Pflanzenschutzmitteln die den natürlichen Feind (Raubmilbe) der Spinnmilbe schaden. Mit dem Einsatz von raubmilbenschonenden Pflanzenschutzmitteln lässt sich oft der Spinnmilbenbefall von ganz allein bekämpfen.

Obstbaumspinnmilbe; Rote Spinne (Panonychus ulmi)

Obstbaumspinnmilbe

Obstbaumspinnmilbe: Schaden am jungen Trieb

Wintereier der Obstbaumspinnmilbe


Schadbild:

Der Befall zeigen sich ab dem ersten entfaltetem Blatt. Dieses bleibt klein, bekommt eine fahlgrüne Farbe und einen braunen Rand. Dieser braune Rand (abgestorbenes Gewebe) erinnert an Maifrostschäden. Ein rötlicher Schimmer auf dem Blatt führt von den zahlreichen Milben her, die das Blatt bevölkern. Wird dieser erste Befall nicht bekämpft kann es zum absterben der jungen Trieben kommen.

Im Frühjahr nehmen die Blätter eine schwach rostbraune Farbe an, bleiben klein und wölben sich Löffelförmig nach oben. Hält man das Blatt gegen das Licht sind die zahlreichen, dicht nebeneinander liegenden Stichstellen zu erkennen, die von einem braunem Saum umgeben sind. Wird keine Bekämpfung durchgeführt sterben die Blätter ab. Durch den Blattverlust können sich die Gescheine nicht richtig weiterentwickeln. Sie fallen ab oder verrieseln. Der Stock hat stark verkürzte Triebe und der Ertragsausfall kann erheblich sein. Für das nächst Jahr fehlt passendes Zielholz zum anschneiden.

Im Sommer macht sich anfänglich eine schwache gelbfärbung bemerkbar die innerhalb kürzester Zeit in eine rostbraune Färbung übergeht und so eine frühe Herbstfärbung vortäuscht . Die Assimilationsleistung der Blätter ist stark beeinträchtigt. Bei einem sehr starken Befall können die Blätter auch absterben. Der Verlust an Assimilationsfläche führt dazu das Traubenreife verzögert wird und es Qualitätseinbußen gibt. Das Auftreten der Spinnmilbe erfolgt meist nicht im ganzen Weinberg sondern meist herdwiese.

Aussehen:

Ei 0,15-0,20mm groß, rot, kugelig, Oberseite leicht gefurcht mit Stielchen
Larve Haben 6 Beine, 6-7 Tagen nach einer Häutung zu Nymphen
Nymphe Haben 8 Beine, 14-21 Tagen nach zwei Häutungen zum erwachsenen Tieren
erwachsenes Tier 0,4-0,5mm groß, rot, Weibchen rundlich, Männchen schlank, helle Höcker mit Borsten

Lebensweise:

Die Obstbaumspinnmilbe überwintert in einem rotem Winterei um die Knospen des einjährigen Holzes. Bei starkem Befall ist auf den Knospen ein rötlicher Schimmer zu erkennen. In Extremfällen kann der Befall so stark sein das man beim Schneiden rote Hände bekommt. Mit dem Austrieb schlüpfen die Milben aus den Eiern. Verlassene Eier sehen weiß aus. Das schlüpfen kann sich über einen Zeitraum von 20 bis 30 Tagen erstrecken. Über die Stärke des Frühjahresbefalls entscheidet eher die Witterung als die Anzahl der Wintereier. Die aus den Wintereiern schlüpfenden Larven entwickeln sich in 6-7 Tagen zu Nymphen und diese wiederum in 14-21 Tagen zu erwachsenen Tieren. Ein Weibchen legt im Zeitraum von 3 Wochen 20 bis 80 Sommereier auf der Blattunterseite ab. Die Sommereier sind etwas kleiner als die Wintereier und haben eine gelblich-rote Färbung. Unter unseren Klimatischen Bedingungen bringt es die Obstbaumspinnmilbe auf 5 Generationen. Bei extrem günstigen Bedingungen können es auch 6 bis 7 Generationen werden. Optimale Bedingungen für die Milbe sind Wärme und ausreichend Luftfeuchtigkeit. Trockene Wärme mögen die Tiere nicht. Die Ablage der Wintereier beginnt im August und kann bis in den Oktober hinein andauern.

Bohnenspinnmilbe (Tetranychus urticae)

Bohnenspinnmilbe

Bohnenspinnmilbe: Schaden am grünen Trieb


Schadbild:

Obwohl die Bohnenspinnmilbe an der Rebe und auf dem Boden überwintert befällt sie die Rebe während des Austriebs nicht. Zu dieser Zeit hält sich die Milbe auf den Unkräutern in und um den Weinberg auf. Die Besiedelung der Sommertriebe beginnt etwa ab Juli. Der Grund dafür ist häufig das den Tieren die Nahrung fehlt da Unkräuter um diese Zeit häufig vertrocknen. Die Milbe klettert dann vom Unkraut auf die Rebe, bis hin zu den Triebspitzen und beginnt dort zu saugen. Dieser Befall setzt oft schlagartig ein. Die jungen Blätter können sich nicht mehr richtig entfalten verkräuseln und vergilben. Sie können auch zwischen den Blattadern einreißen, vertrocknen und abfallen. Die Triebspitzen verkahlen und die Geiztriebbildung wird angeregt. Die neuen Triebe werden sofort wieder befallen. Später färbt sich das Laub bronzeartig rostbraun. Ein Starker Befall kann auch hier zu erheblichen Mostgewichts- und Ertragseinbußen führen. Auch die Holzreife kann unter dem Befall leiden.

Aussehen:

Ei (Sommerei) ca: 0,15mm groß, gelblich, rund, Wintereier gibt es nicht
Larven Haben 6 Beine, nach einer Häutung zu Nymphen
Nymphen Haben 8 Beine, nach zwei Häutungen zum erwachsenen Tier
Erwachsenes Tier 0,4-0,5mm groß, gelblich-grün bis rötlich, dunkle Flecken an der Seite, auf dem Rücken einzelne Haare, Weibchen rundlich, Männchen schlank und flach

Lebensweise:

Die Überwinterung erfolgt als erwachsenes Tier unter der Rinde des alten Holzes oder zwischen abgestorbenen Pflanzenteilen am Boden. Vorwiegend als befruchtetes Weibchen vereinzelt auch Männchen. Im Frühjahr sind die Tiere nur selten auf der Rebe zu finden, sondern vornehmlich auf Unkräutern in und um den Weinberg. Im Sommer wandern die Tiere von den Unkräutern die häufig vertrocknen auf die Rebe. Die Weibchen legen 80 bis 120 Sommereier auf die Unterseite der Blätter ab. Aus diesen Eiern schlüpfen Larven aus denen sich Nymphen und später geschlechtsreife Milben entwickeln. Die Entwicklungsdauer von Sommerei bis zum erwachsenen Tier ist temperaturabhängig und kann bei sommerlicher Hitze von 30°C nur 6 bis 8 Tage, bei 25°C 10 bis 12 Tage dauern. In Deutschland werden 6 bis 7 Generationen erreicht. Die ersten 4 bis 5 Generationen leben auf Unkräutern, die letzten 2 bis 3 Generationen auf der Rebe. Im Gegensatz zur Obstbaumspinnmilbe verläuft die Entwicklung der Bohnenspinnmilbe besonders gut bei hohen Temperaturen und geringer Luftfeuchtigkeit.

Bekämpfung der Obstbaum- und Bohnenspinnmilbe

Biologische Bekämpfung:

Eine chemische Bekämpfung kann vermieden werden wenn der Spinnmilbenbefall durch natürliche Feinde (Nützlinge) der Milben unter der Schadschwelle gehalten wird. Die wichtigsten Nützlinge gegen die Spinnmilben sind Raubmilben, Marienkäfer Larven, die Larven der Florfliege so wie einige Blumenwanzen. Der Erfolg einer biologischen Bekämpfung hängt von der ausreichenden Zahl an Nützlingen ab. Durch einen raubmilbenschonenden Pflanzenschutz und die An- und Umsiedlung von Raubmilben kann der Winzer die Raubmilbenzahl erhöhen. Es reicht meist aus wenn vor dem Erscheinen der Obstbaumspinnmilbe eine Raubmilbe je Blatt vorhanden ist.

Chemische Bekämpfung:

Eine chemische Bekämpfung ist erst dann erforderlich wenn folgender Spinnmilbenbesatz überschritten wird: mehr als 20 Eier pro Knospe

BBCH 12-81: 5-10 Milben je Blatt

BBCH 81: 1-2 Milben je Blatt

Die Wintereier der Obstbaumspinnmilbe sind gegen Spritzmittel weitestgehend unempfindlich. Die Austriebsspritzung (BBCH 09-11) sollte möglichst mit sichtbar werden des ersten Grün durchgeführt werden. Als Mittel stehen Mineralöl- oder Rapsöl-Austreibsspritzmittel zur Verfügung. Sobald sich das erste Blatt, spätestens das dritte Blatt, entfaltet hat wird mit einem Akarizid gespritzt. Eine Bekämpfung im Sommer richtet sich gegen beide Spinnmilbenarten und soll den Befall weitgehend ausschalten und später die Bildung von Überwinterunsformen minimieren. Bei der Spritzung sollte darauf geachtet werden möglichst raubmilbenschonende Akarizide zu verwenden. Bei fortlaufender Anwendung eines Wirkstoffes gegen die Spinnmilben können sich Resistenzen bilden. Daher ist es wichtig die Wirkstoffgruppen zu wechseln. Beim Ausbringen der Mittel ist darauf zu achten die Blattunterseite gut zu benetzen da sich dort die Tiere meist aufhalten.