Traubenwickler

Im europäischen Weinbau kommen zwei Arten des Traubenwicklers vor. Der einbindige Traubenwickler (Eupoecilia ambiguella) und der bekreuzte Traubenwickler (Lobesia botrana). Beide Traubenwickler bilden bei dem deutschen Klima meistens zwei Generationen aus. Die Larven der ersten Generation (Heuwurm) und die der zweiten Generation (Sauerwurm) können in ihren jeweiligem Zeitraum zu erheblichen wirtschaftlichen Schäden führen.

Herkunft:
Beide Traubenwicklerarten sind schon immer in Europa heimisch und haben bereits im 19.Jahrhundert zu erheblichen Schäden im deutschen Weinbau geführt.

Schadbild:
Die erste Generation (Heuwurm) ist zwischen Mai , Juni an der Rebe zu finden. Die Raupe ( meist Wurm genannt) frisst sich nach verlassen des Eies am Geschein in deinen Blütenstand ein. Durch das Einfressen entsteht ein sehr kleines Loch im Blütenkäppchen. Diese erste Auftreten der Raupe wird häufig übersehen. Der Befall wird erst deutlicher sichtbar wenn die Raupe anfängt die Blüten miteinander zu verspinnen. Beim Auftreten mehrerer Raupen in einem Geschein kann es zu erheblichen Ertragsausfällen kommen. Die zweite Generation (Sauerwurm) erscheint erstmalig in Juli und ist häufig bis Mitte August in den Trauben zu finden. Nach dem verlassen des Eies frisst sich die Raupe in die Beere ein. Sie kann sich auch zwischen den Beeren einspinnen und an mehreren Beeren fressen. Durch die Fressstellen werden die Beeren häufig von Botrytis befallen. Diese Kombination aus Raupenfraß und Botrytis kann bei entsprechend feuchter Witterung zu erheblichen Schäden führen. In sehr warmen Jahren mit einer langen Vegetation kann eine dritte Generation des bekreuzten Traubenwicklers auftreten. Diese dritte Generation (Süßwurm) befällt die reifen Traube, an denen sich durch die Verletzungen wieder Botrytis bilden kann. Der einbindige Traubenwickler beginnt nach Ende der zweiten Generation bereits die Ruhephase.

Aussehen:

Einbindiger Traubenwickler Bekreuzter Traubenwickler
Ei Linsenförmig, 0,9 – 0,65mm

orange Flecken

Linsenförmig, 0,9 – 0,65mm

keine Flecken

Raupe Ausgewachsen 10 – 12mm lang,

rotbraun, braunschwarzer Kopf

Ausgewachsen 9 – 10mm lang,

graugrün, gelber Kopf

Puppe 1 – 2cm lang,hellbraun,gedrungen 1 – 2cm lang,olivbraun, schmal
Motte 12 – 13mm lang, Vorderflügel strohgelb mit dunkler Querbinde 12 – 13mm lang, Vorderflügel marmoriert, mit gelblichen, bleigrauen Farbtönen

Im Verhalten ist der einbindige Traubenwickler der Trägere und ortsfestere von beiden. Er tritt in begrenzten Herden auf und hat häufiger einen Mottenflug mit deutlichen Höhepunkten. Der bekreuzte Traubenwickler ist im Gegensatz zum einbindigen der Aktivere. Er ist lebhafter, fraß aktiver und tritt über große Flächen verteilt auf. Der Mottenflug dauert länger und hat meist mehrere Höhepunkte. Seine Bekämpfung ist daher schwieriger.

Lebensweise:
Die Überwinterung erfolgt als Puppe unter der Borke des alten Holzes oder in den Ritzen der Pfähle. Gegen Ende April / Anfang Mai fliegen die ersten Motten. Im Mai findet zwischen 2 bis 5 Wochen die Hauptflugzeit der Motten statt. Der eigentliche Begattungsflug des einbindigen Traubenwicklers findet überwiegend um Mitternacht oberhalb 11°C, der des bekreutzten Traubenwicklers in der Abenddämmerung statt. Die Eier werden von den Weibchen einzeln an die Blütenkäppchen abgelegt. Die Eientwicklung dauert 6 bis 12 Tage. Die Eier sind anfänglich hell, kurz vor dem Schlüpfen ist ein schwarzer Punkt im Ei zu sehen (das so genannte „Schwarzkopfstadium“).Nach dem Schlüpfen sind die Raupen knapp 1 mm groß und wachsen nach 4 Häutungen auf 9 bis 12 mm heran. Nach ungefähr 25 Tagen Fraßtätigkeit verpuppen sich die Raupen in den sich entwickelnden Trauben. Die Puppenruhe beträgt in der Regel 8 bis 10 Tage. Ab Ende Juni / Anfang Juli beginnt der Mottenflug der so genannten Sauerwurmmotten. Die Eiablage erfolgt wieder einzeln auf die Beeren. Die daraus schlüpfenden Raupen (Sauerwurm) fressen 3 bis 4 Wochen an den Beeren und suchen dann hauptsächlich unter der Borke des alten Holzes, aber auch in Ritzen der Pfähle Verstecke, um sich dort zu verpuppen und so den Winter zu verbringen.

Bekämpfung:
Eine direkte Bekämpfung des Traubenwicklers richtet sich gegen die Raupen. Wichtig für eine direkt Bekämpfung ist die möglichst genaue und richtige Bestimmung des Bekämpfungszeitpunktes. Dieser kann durch eine Kontrolle des Mottenfluges oder der Einwicklung bestimmt werden. Der Mottenflug wird mit Hilfe von Ködergläsern oder Pheromonfallen kontrolliert. Bei der Heuwurmgeneration wird gegen Ende April, für die Sauerwurmgeneration ab Ende Juni der Mottenflug kontrolliert. Bei der Kontrolle werden die aufgestellten Ködergläser oder Pheromonfallen täglich kontrolliert und die gefangenen Tiere ausgezählt. Wenn die meisten Tiere gefangen wurden kann mit dem Flughöhepunkt und gleichzeitig mit der Eiablage gerechnet werden. Bei einer stabilen Witterung kann auf diesen Tag die durchschnittliche Entwicklungsdauer der Eier dazu gerechnet werden und ermittelt so den Zeitpunkt an dem die Raupen schlüpfen müssten. Dieser Zeitpunkt ist der optimale Bekämpfungstermin. Wird das Wetter nach dem Flughöhepunkt schlechter so kann die Eiablage sich um einige Tage verzögern. In diesem Fall ist eine Kontrolle der abgelegten Eier sinnvoll. Sobald die Eier einen schwarzen Punkt (Schwarzkopfstadium) bekommen sind die Raupen kurz vor dem schlüpfen.

Zur chemischen Bekämpfung der Heuwürmer beziehungsweise Sauerwürmer stehen verschiedene Präparate zur Verfügung, deren Wirkungsweise jedoch unterschiedlich sein kann. Einige Produkte müssen sehr früh verwendet werden, da sie gegen die Eier oder Larven wirken. Andere Mittel können noch bei sichtbarem Befall eingesetzt werden, da sie direkt gegen die Raupe wirken. Die Wahl des richtigen Mittels und die genaue Bestimmung des Bekämpfungstermins sind wichtig für den Erfolg der Maßnahme.

Es gibt auch eine biologische Bekämpfungsmethode mit speziellen Bakterien (Bacillus thuringiensis). Da es sich bei B.t. Um ein spezielles Fraßgift handelt, dessen Wirkung erst im Darm der Raupen eintritt, müssen die Bakterien gefressen werden. Da die B.t – Mittel nur eine maximale Wirkungsdauer von 8 Tagen haben, müssen sie zum richtigen Zeitpunkt und in erforderlicher Menge ausgebracht werden, um die gewünschte Wirkung zu erzielen.

Die Umweltschonendste Art der Traubenwicklerbekämpfung stellt das biotechnische Verwirrungsverfahren dar. Hierbei wird mittels Pheromon-gefüllter Verdampfer (RAK 1 gegen den einbindigen Traubenwickler / RAK 1+2 gegen beide Arten) eine Duftwolke über der Rebfläche ausgebracht, in der die Männchen die Weibchen nicht finden und begatten können. Die unbegatteten Weibchen legen zwar Eier, aus denen allerdings keine Raupen schlüpfen. Für den Erfolg dieser Methode muss mindestens eine Rebfläche von 5ha zum optimalen Zeitpunkt (im Frühjahr noch vor Beginn des Mottenflugs) behandelt werden.